Cynara Cardunculus – diese Pflanze hat das Potential die Landwirtschaft, die Kunststoff-Industrie und unseren Umgang mit der Umwelt radikal zu verändern. Seit 2014 tut sie das – gemeinsam mit Versalis und NOVAMONT. Ein Projekt, das NATURABIOMAT® den Stoff liefert, aus dem die biologischen, abbaubaren Produkte hergestellt werden.

Sardiniens Landwirtschaft unterlag in den vergangenen Jahrzehnten einem starken Wandel: weg vom Ackerbau hin zur Weidewirtschaft. In den ersten 10 Jahren seit der Jahrtausendwende sind die Flächen für den Getreideanbau um 40.000 ha und für Zuckerrüben- und Non-food Pflanzen um 14.000 ha zurückgegangen. Alleine in der Provinz Sassari, in der die neue Bioraffinerie ihren Standort hat, sind seit den achtziger Jahren ca. 70.000 ha landwirtschaftliche Fläche für den Ackerbau verlorengegangen. Aufgrund des fortschreitenden Konzentrationsprozesses hat die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe abgenommen und immer mehr Landwirte haben seitdem ihre Existenzgrundlage verloren. Das Leben in den traditionellen Bauerndörfern der zweitgrößten Insel des Mittelmeeres wurde härter. Nicht alle konnten oder wollten auf das Zugpferd Tourismus setzen. Schon in den 90ern trieb die Suche nach Arbeit viele Sarden aufs Festland. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt heute noch immer über 50 Prozent, trotzdem leiden die landwirtschaftlichen Betriebe unter Überalterung. Das Durchschnittseinkommen der Sarden ist um ein Viertel geringer als in Gesamtitalien und fast ein Viertel der Bevölkerung lebt in Familien mit einem Einkommen unter der Armutsgrenze.

In diesem Kontext erschien vor zwei Jahren das Matrìca-Projekt. Im Nordwesten der Insel, in Porto Torres, wurde eine unrentabel gewordene Erdöl- und Erdgasraffinerie zur Biochemie-Raffinerie umgerüstet. Das Projekt ist ein Joint Venture von Versalis, einem Tochterunternehmen von Eni, und Novamont, einem weltweit führenden Konzern im Bereich Biokunststoff. Der Startschuss für Matrìca fiel 2011, der Fokus lag von Beginn an auf moderner und nachhaltiger Produktion.

Demnächst kann die Anlage auch auf eine einheimische, wildwachsende Distelart als Rohstofflieferant zurückgreifen. Diese mehrjährige Pflanze ist perfekt an das mediterrane Klima der Insel angepasst und gedeiht auf trockenem, magerem Boden. Mit dem Anbau sind die Landwirte direkt in die Wertschöpfungskette von Matrìca mit eingebunden. Auch Nebenprodukte dieser Distelart werden genutzt. Das bedeutet, daß kein Ausschuß im Produktionszyklus entsteht – das Öl wird raffiniert, die nektarreichen Blüten werden von den Bienen der lokalen Imker geschätzt und der eiweißreiche Presskuchen ersetzt importiertes Soyaschrot als Futtermittel.

Positive Synergieeffekte werden nach der Fertigstellung 2017 in allen drei Wirtschaftssektoren erwartet: In der lokalen Landwirtschaft mit Viehzucht und Bienenzucht, im Sekundärsektor etwa durch die Herstellung von biobasierten Chemie-Produkten oder dem Einsatz von landwirtschaftlichen Geräten, im tertiären Sektor aufgrund der Partnerschaften mit lokalen und internationalen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Schon zu Beginn der Arbeiten an der Bioraffinerie wurden Arbeitsplätze für junge Absolventen sardischer Hochschulen geschaffen.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in unserer Firmenzeitung InZunkunft No. 01.

Bild: Matrica SPA